Stieftochter fordert Mafia-Thron um Mitternacht – aber ihre Stiefmutter besitzt längst alles
Es war ein regnerischer Mittwochmorgen, als die Nachricht kam.
Der Himmel über Hamburg war grau, und ein eisiger Wind fegte durch die Straßen.
Ich saß in meinem Arbeitszimmer, durchforstete alte Geschäftsbücher, die zwar legal aussahen, aber im Kern die Fäden zu unzähligen illegalen Operationen zogen.
Plötzlich klingelte mein altes Festnetztelefon, das ich nur für die wirklich wichtigen und diskreten Anrufe benutzte.
Die Nummer auf dem Display war nicht bekannt, aber das Muster des Klingelns war ein Code.
Ein alter Code, den nur sehr wenige kannten.
Ich hob ab.
„Ja?“, sagte ich.
Am anderen Ende war eine tiefe, raue Stimme, die ich sofort erkannte.
Es war Horst, ein alter Weggefährte Karls, der nun als Mittelsmann fungierte.
„Alida“, sagte er, seine Stimme war gedämpft.
„Ich habe da eine Nachricht für dich.“
„Ich höre“, erwiderte ich, mein Herz begann schneller zu schlagen.
„Ein alter Freund ist wieder aufgetaucht. Er hat von den Gerüchten gehört. Von Noras Ansprüchen.“
Horst machte eine Pause, die nur ich zu deuten wusste.
„Er ist bereit zu reden. Wenn die Sicherheit stimmt.“
Ich brauchte keine weitere Erklärung.
„Viktor Petrov“, sagte ich leise.
„Der eine und einzige.“
„Er ist es“, bestätigte Horst.
„Er will dich treffen. An einem sicheren Ort.“
Viktor Petrov.
Karls ehemaliger Buchhalter.
Ein ängstlicher, aber brillanter Mann, der vor fünf Jahren nach einem heftigen Streit mit Karl untergetaucht war.
Ein Streit, der eigentlich um meine Rolle im Syndikat gegangen war.
Karl hatte versucht, Viktors Detailversessenheit zu bremsen, aber Viktor hatte erkannt, dass ich die wahre Drahtzieherin war.
„Wo? Wann?“, fragte ich.
„Altes Lagerhaus, Speicherstadt. Morgen Abend. Mitternacht“, sagte Horst.
Die genaue Zeit für die heimlichen Geschäfte.
Ich legte auf.
Meine Gedanken rasten.
Viktor Petrov.
Er war wie ein Gespenst aus der Vergangenheit.
Aber ein Gespenst, das die Wahrheit kannte.
Ich wusste, dass Viktor nicht einfach nur Informationen hatte.
Er besaß die Original-Hauptbücher des Syndikats.
Die verschlüsselten Bände, die detailliert auflisteten, wer wann welche Transaktionen getätigt hatte.
Und diese Bücher würden beweisen, dass nicht Karl, sondern ich von Anfang an die wahre finanzielle Architektin und Eigentümerin der verdeckten Operationen gewesen war.
Karl hatte das Gesicht gewesen.
Das charismatische Lächeln, die eiserne Hand.
Aber ich hatte die Zahlen jongliert, die Gelder gewaschen, die Deals strukturiert.
Im Hintergrund, ungesehen, unbemerkt.
Ich war die Architektin.
Und diese Bücher würden es beweisen.
Die Ironie war bitter.
Jahre hatte ich alles getan, um Karl zu schützen, sein Image aufrechtzuerhalten, seine Legende zu bewahren.
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