Stadträtin Helga Schmidt wurde von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn um €178.000 betrogen – eine alte Erbklausel offenbarte ihre wahre Bosheit.
Die Entdeckung der gefälschten Unterschrift hatte uns eine neue Dringlichkeit verliehen.
Ich traf mich am nächsten Morgen mit Anja Becker und Thomas Roth, der meine Situation mit wachsender Sorge verfolgte, in Anjas Kanzlei.
Die Atmosphäre war angespannt, doch auch von einer neuen Entschlossenheit geprägt.
“Julian hat versucht, Helga in ein strafrechtlich relevantes Vergehen zu verwickeln”, erklärte Anja, als sie Thomas die Beweise präsentierte.
“Das ist nicht mehr nur ein finanzieller Betrug. Das ist ein gezielter Versuch, sie zu ruinieren.”
Thomas blass.
“Das ist unglaublich”, sagte er, den Kopf schüttelnd.
“Er muss gestoppt werden.”
Wir schmiedeten einen Plan.
Wir wollten Julian und Lena in eine Falle locken, indem wir öffentlich den Eindruck erweckten, ich würde unter dem Druck der Schmierkampagne nachgeben und die Bürgschaft doch wieder aktivieren.
Das Ziel war, Julian dazu zu bringen, weitere Beweise für seine Manipulationen zu liefern und sich selbst zu entlarven.
“Julian ist gierig”, sagte Anja.
“Er wird jede Gelegenheit nutzen, um an mehr Geld zu kommen, besonders wenn er denkt, dass er Helga damit noch weiter unter Druck setzen kann.”
Ich zögerte.
Die Vorstellung, Lena wieder in unsere Nähe zu lassen, auch nur unter falschen Vorwänden, war schmerzhaft.
Doch ich wusste, dass es der einzige Weg war, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
“Wie wollen wir das anstellen?”, fragte ich, meine Stimme war fest.
Thomas, mit seinem politischen Scharfsinn, hatte bereits eine Idee.
“Ich werde eine scheinbar neutrale Pressekonferenz arrangieren”, sagte er.
“Dort werden Sie sich vage zu einer ‘Lösung im Familienkreis’ äußern und andeuten, dass Sie bereit sind, alle Optionen zur Schadensbegrenzung zu prüfen.”
Er blickte mich an.
“Wir müssen den Eindruck erwecken, dass Sie nachgeben, dass Sie müde sind und den Konflikt beenden wollen”, erklärte Thomas.
“Julian wird das als Schwäche interpretieren und versuchen, seinen Vorteil zu nutzen.”
Anja nickte zustimmend.
“Wir werden gleichzeitig unsere rechtlichen Schritte im Hintergrund vorbereiten”, sagte sie.
“Sobald er anbeißt, werden wir zuschlagen.”
Der Plan war riskant.
Er erforderte von mir, eine Rolle zu spielen, die mir zuwider war: die der nachgiebigen, verzweifelten Mutter.
Aber ich wusste, dass es notwendig war.
Die persönliche Grausamkeit dieses Spiels war die Verpflichtung, meine eigene Verletzlichkeit vorzutäuschen, um meine Feinde zu täuschen.
Jeder Satz, den ich in der Pressekonferenz sagen würde, wäre eine Lüge, ein bewusstes Manöver.
Ich stellte mir vor, wie Lena reagieren würde.
Würde sie aufatmen und denken, dass sie davongekommen war?
Würde sie Julians triumphierenden Blick sehen?
Der Gedanke daran schmerzte mich tief.
“Das wird schwer für Sie, Helga”, sagte Thomas, als hätte er meine Gedanken gelesen.
“Aber es ist der einzige Weg, ihn aus der Reserve zu locken.”
Ich nickte, meine Entschlossenheit war stärker als mein Schmerz.
“Ich werde tun, was nötig ist”, sagte ich.
“Aber wir müssen alles vorbereiten. Jeder Schritt muss genau geplant sein.”
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