Stadträtin Helga Schmidt wurde von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn um €178.000 betrogen – eine alte Erbklausel offenbarte ihre wahre Bosheit.
Ein plötzlicher Anruf an meinem Bürotelefon riss mich aus meinen Gedanken am nächsten Morgen.
Die Schmierkampagne gegen mich tobte weiter, die Schlagzeilen der Lokalzeitung auf meinem Schreibtisch waren eine ständige Mahnung.
Ich zögerte, den Anruf entgegenzunehmen.
Jeder Anruf konnte neue Vorwürfe oder weitere Probleme mit sich bringen.
Doch eine innere Eingebung trieb mich dazu, den Hörer abzunehmen.
“Helga Schmidt”, sagte ich, meine Stimme war geübt, aber müde.
Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende, zögerlich und leise.
“Spreche ich mit Frau Stadträtin Schmidt?”
“Ja, das tun Sie”, antwortete ich.
“Wer spricht?”
“Mein Name ist Katrin Steiner”, sagte die Frau.
“Ich… ich muss dringend mit Ihnen sprechen. Es geht um Julian Voss.”
Mein Herz machte einen Sprung.
Der Name Katrin Steiner war mir völlig unbekannt, doch jede Erwähnung von Julian Voss weckte sofort meine Alarmglocken.
“Wie kennen Sie Julian Voss?”, fragte ich misstrauisch.
Es folgte eine kurze Pause, dann hörte ich ein tiefes Ausatmen.
“Er war mein Verlobter”, erwiderte Katrin, ihre Stimme klang brüchig.
“Vor fünf Jahren.”
Der Boden unter mir schien sich aufzutun.
Julians Ex-Verlobte.
Was wollte sie von mir?
“Ich verstehe nicht”, sagte ich, meine Gedanken rasten.
“Warum rufen Sie mich an?”
Katrin sprach jetzt schneller, die Worte sprudelten aus ihr heraus, als hätte sie lange darauf gewartet, sie zu äußern.
“Ich habe die Nachrichten über Sie gelesen, die Artikel”, sagte sie.
“Die Geschichte kommt mir nur allzu bekannt vor.”
Sie erzählte dann eine erschütternde Geschichte.
Julian hatte vor fünf Jahren einen nahezu identischen Betrugsplan durchgezogen.
Er hatte Katrins Familie um ihr Erspartes gebracht und sie mit einem Berg von Schulden zurückgelassen.
Die Ähnlichkeiten waren beängstigend.
“Er hat meine Familie in den Ruin getrieben, Frau Schmidt”, sagte Katrin, ihre Stimme war voller Schmerz.
“Ich saß auf €115.000 Schulden, die er mir hinterließ.”
Mir stockte der Atem.
€115.000!
Das war eine astronomische Summe für eine junge Frau.
Und es zeigte, dass Julian keine Hemmungen kannte, wenn es um finanziellen Gewinn ging.
“Ich habe damals geschwiegen”, fuhr Katrin fort, ihre Stimme war nun fester, von Reue durchzogen.
“Ich hatte Angst vor ihm, vor den Konsequenzen. Er hatte mich massiv eingeschüchtert.”
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