Stadträtin Helga Schmidt wurde von ihrer Tochter und dem Schwiegersohn um €178.000 betrogen – eine alte Erbklausel offenbarte ihre wahre Bosheit.
Meine Schritte hallten auf dem polierten Marmor von Anja Beckers Anwaltskanzlei wider.
Die Sorge schnürte mir die Kehle zu, ein kalter Knoten, der sich seit Tagen festzog.
Anja wartete bereits in ihrem lichtdurchfluteten Büro, ihre Miene ernst, aber professionell.
Sie zeigte mir auf einen Stuhl und ihre Augen musterten mich prüfend.
“Helga, kommen Sie rein”, sagte Anja mit fester Stimme.
“Ich habe schon ein paar erste Dinge geprüft.”
Ich sank in den Lederstuhl, meine Hände zitterten leicht.
“Es geht um Lenas Konto”, begann ich, meine Stimme war heiser.
“Die Hochzeitsreise, die Anzahlung für die Location… ist da wirklich alles in Ordnung?”
Anja nickte langsam, während sie ihren Computer hochfuhr.
“Ich habe das Familienkonto überprüft, auf das Sie beide Zugriff haben”, erklärte sie.
“Die Einzahlungen für die Hochzeit, die Anzahlung für die Reise – alles korrekt registriert.”
Ein kurzer Moment der Erleichterung durchzuckte mich, doch er war sofort wieder verflogen.
Ich spürte, dass etwas nicht stimmte.
Anja drehte den Bildschirm zu mir.
“Es gibt da allerdings… andere Transaktionen”, fuhr sie fort.
“Innerhalb der letzten sechs Wochen wurden mehrfach größere Beträge abgehoben.”
Mein Blick wanderte über die Liste der Abbuchungen, eine wachsende Furcht ergriff mich.
Über €42.000, insgesamt.
Das konnte nicht sein.
“Das ist doch nicht für die Hochzeit”, stieß ich hervor, mein Herz begann zu rasen.
“Wofür ist das Geld?”
Anja seufzte und nahm ihre Brille ab.
“Ich habe die Empfängerbanken kontaktiert und bin einer Spur gefolgt”, sagte sie.
“Es gibt eine Reihe von Überweisungen an verschiedene Gesellschaften.”
Sie klickte weiter, um mir die Namen zu zeigen: “Phoenix Investments”, “Global Solutions”, “Voss Ventures”.
Die Namen waren mir nicht geläufig, doch Julians Nachname stach sofort ins Auge.
“Alle diese Firmen sind undurchsichtig, Helga”, erklärte Anja, ihre Stimme wurde leiser.
“Sie alle stehen in direkter Verbindung zu Julian Voss.”
Ich starrte auf den Bildschirm, als würde er mich anklagen.
Der Betrag war weit höher, als ich es für die Hochzeitsreise vorgesehen hatte.
Es war auch viel mehr als das, was für die Location angezahlt wurde.
Das waren meine Ersparnisse, die ich für Notfälle oder eben für Lena zurückgelegt hatte.
“Er hat unser gemeinsames Konto geplündert”, flüsterte ich, mein Atem stockte.
“Aber… Lena hat doch auch Zugriff. Sie muss es gesehen haben.”
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
Es war nicht nur Julians Betrug.
Es war der Verrat meiner eigenen Tochter, die wissentlich zusah, wie mein Geld verschwand.
“Lena muss davon gewusst haben, Helga”, bestätigte Anja leise, ihre Augen voller Bedauern.
“Es gibt keine Anzeichen dafür, dass diese Transaktionen ohne ihre Kenntnis stattfanden.”
Mir wurde übel.
Die Vorstellung, dass Lena aktiv daran beteiligt war, mich zu bestehlen, war wie ein Schlag in die Magengrube.
Es war ein persönlicher Angriff, der viel tiefer saß als der rein finanzielle Verlust.
Ich dachte an das kleine, handgemalte Porzellanservice, das Lena mir zum letzten Muttertag geschenkt hatte.
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