Ihre schwangere Frau entdeckte, dass ihr Mann sein gesamtes €25.000-Einkommen an seine Kultführer-Mutter schickte – doch sie besaß das Penthouse, das sie "Gemeinschaftszentrum" nannten.
Die Tage nach dem Gespräch mit Clara zogen sich zäh wie Kaugummi dahin. Die Isolation, die ich empfand, wurde immer erdrückender.
Ich vermied es, Jonas direkt anzusehen, wenn er in den Raum kam. Jede seiner Gesten, jedes seiner Worte, empfand ich als Teil einer größeren Täuschung.
Ich zog mich oft in mein Schlafzimmer zurück, ließ Jonas glauben, ich ruhe mich aus, während ich eigentlich versuchte, einen Plan zu schmieden. Mein Blick wanderte oft ziellos durch das Penthouse.
Während ich Jonas’ und Helgas täuschende Freundlichkeit über mich ergehen ließ, suchte ich nach Schwachstellen in ihrer Mauer. Ich brauchte einen Verbündeten, jemanden, der hinter die Kulissen blicken konnte.
Dann erinnerte ich mich an jenen Moment in Helgas Büro, bevor ich das versteckte Hauptbuch gefunden hatte. Es war ein kurzer Augenblick gewesen, kaum beachtet.
Ich hatte Max Brandt gesehen, Helgas Verwaltungsassistenten. Er hatte eine Akte in einen verschlossenen Schrank gesteckt.
Sein Gesichtsausdruck damals war es gewesen, der mir jetzt wieder einfiel. Ein Ausdruck tiefer Unruhe und Bedrängnis.
Es war kein neutraler Gesichtsausdruck gewesen. Es war die Miene eines Mannes, der mit etwas Schwerwiegendem rang.
Er hatte sich umgesehen, als wollte er sicherstellen, dass ihn niemand beobachtete. Diese Geste war mir damals kaum aufgefallen.
Jetzt, in meiner Verzweiflung, war sie ein funkelnder Hoffnungsschimmer. Könnte er der Schlüssel sein?
Max war immer ein stiller Mann gewesen. Er erledigte seine Arbeit effizient und diskret. Er war derjenige, der die Termine koordinierte, die Korrespondenz führte und die Spendeneingänge verbuchte.
Ich erinnerte mich an die Gemeindetreffen, wo er oft am Rande stand, seine Augen flackerten über die Menge, ein nachdenklicher, fast melancholischer Blick. Er schien nie ganz Teil des Trubels zu sein.
Ich hatte ihn einmal angesprochen, um eine Frage zu einem Gemeindebrief zu stellen. Er hatte kurz gelächelt, seine Augen waren aber leer geblieben.
Es war ein Lächeln gewesen, das nicht seine Augen erreichte. Es war die Art von Lächeln, das man aufsetzt, wenn man nicht möchte, dass jemand sieht, was wirklich in einem vorgeht.
Ich überlegte, wie ich ihn kontaktieren könnte. Direkt in Helgas Büro war das unmöglich. Jonas würde es sofort bemerken.
Ein Telefonanruf würde Spuren hinterlassen. Ich konnte kein Risiko eingehen.
Ich brauchte einen Weg, der absolut diskret war. Mein Herz pochte bei dem Gedanken, mich an jemanden innerhalb des Kults zu wenden.
Aber Max’ Gesichtsausdruck, seine Unruhe, das gab mir Mut. Er war anders als die anderen, die blindlings Helga folgten.
Ich begann, ihn bei den täglichen Abläufen genau zu beobachten. Max kam jeden Morgen um acht Uhr und ging um siebzehn Uhr.
Er hatte eine kleine Mittagspause, die er meistens allein in der Teeküche verbrachte. Er saß oft an einem Tisch am Fenster und starrte hinaus.
Eines Nachmittags, als Jonas und Helga bei einem „spirituellen Workshop“ außer Haus waren, nutzte ich die Gelegenheit. Ich ging in die Küche, wo Max gerade seinen Tee trank.
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