Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Der Tag der Anhörung war gekommen. Scarlett, Leo und Herr Schneider betraten das Gerichtsgebäude, die Spannung war greifbar. Der Gerichtssaal war kleiner, als Scarlett es sich vorgestellt hatte, aber jede Bank war besetzt. Reporter, neugierige Bürger und einige Mitglieder der Hamburger Gesellschaft saßen dicht gedrängt, ihre Blicke waren auf die Parteien gerichtet.
Elisabeth und Chloe saßen bereits an ihrem Tisch, ihre Gesichter waren makellos und unbewegt. An ihrer Seite saß ihr Anwalt, Herr Gruber, ein alter Bekannter der Richter-Familie, dessen Ruf für seine gerissenen Taktiken bekannt war. Er lächelte Scarlett und ihrem Team arrogant zu. Diese demonstrative Arroganz war eine weitere kleine Kränkung, ein Versuch, Scarlett durch Einschüchterung zu brechen, bevor die Verhandlung überhaupt begann.
Als der Richter eintrat, erhoben sich alle. Der Richter, ein älterer Mann mit einer strengen Miene, nahm seinen Platz ein und schlug mit dem Hammer auf den Tisch.
“Wir sind heute hier zusammengekommen, um die Klage der Familie Richter gegen Frau Scarlett Richter wegen Verleumdung zu verhandeln und die Gegenklage von Frau Scarlett Richter bezüglich ihrer Erbansprüche zu prüfen”, begann der Richter, seine Stimme war klar und deutlich.
Herr Gruber erhob sich sofort. “Euer Ehren, meine Mandantinnen möchten beantragen, die Anhörung zu vertagen.”
Ein Raunen ging durch den Saal. Scarlett spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Sie hatten es erwartet, diese Taktik, die darauf abzielte, Zeit zu gewinnen und sie zu zermürben.
“Vertagen?”, fragte der Richter, seine Augenbrauen hoben sich. “Aus welchem Grund?”
“Meine Mandantinnen haben neue Beweismittel erhalten, die noch nicht vollständig gesichtet und in die Akten aufgenommen werden konnten”, erklärte Herr Gruber, seine Stimme war glatt und überzeugend.
“Es sind Dokumente, die die Anschuldigungen von Frau Scarlett Richter als völlig unbegründet darstellen.”
Das war eine Lüge. Scarlett wusste es. Sie versuchten nur, den Prozess zu verzögern, um ihre eigenen Lügen zu kaschieren.
Herr Schneider erhob sich. “Euer Ehren, die Gegenseite versucht hier, den Prozess unnötig in die Länge zu ziehen. Es gibt keine neuen Beweismittel, die relevant sein könnten.”
“Wir haben die Fälschung des psychologischen Gutachtens bereits widerlegt”, fügte Scarlett hinzu, ihre Stimme war fest.
“Und die angeblichen Notarunterlagen über das Anwesen sind ebenfalls eine Fälschung!”
Herr Gruber lachte höhnisch. “Das sind nur unbegründete Anschuldigungen, Euer Ehren. Frau Scarlett Richter versucht hier, die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Verfehlungen abzulenken.”
Elisabeth und Chloe nickten zustimmend, ihre Gesichter waren eine Maske der Unschuld. Es war eine erschreckende Demonstration ihrer Fähigkeit, zu lügen und dabei völlig ungerührt zu bleiben. Diese kalte, berechnende Verstellung war eine weitere, zutiefst persönliche Beleidigung.
Der Richter hörte sich die Argumente beider Seiten geduldig an. Er blätterte durch die Akten, sein Blick war nachdenklich.
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