Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Die Worte meiner Mutter hallten noch immer in meinen Ohren, schärfer als jeder Hieb, den Ethan oder Chloe mir hätten zufügen können. Die Drohung, mich wegen Verleumdung zu verklagen und mir jegliche Erbansprüche zu entziehen, war eine kalte, berechnende Attacke auf meine Existenz. Doch anstatt einzuknicken, hatte ich mich entschieden, mich zu wehren.
Die Stunden nach der Verlobungsfeier vergingen in einem Schleier aus Wut und Entschlossenheit. Ich hatte mich in mein kleines Apartment zurückgezogen, dessen bescheidene Einrichtung ein starker Kontrast zum prunkvollen Ballsaal der Richters bildete. Ich wusste, dass ich meine Mutter und Chloe nicht in ihrem eigenen Haus konfrontieren konnte, ohne dass es zu einem weiteren öffentlichen Spektakel käme. Ihre Fassaden würden nur noch undurchdringlicher werden.
Ich rief Leo an, seine Stimme war erfüllt von einer Mischung aus Besorgnis und einem festen Willen, mir zu helfen. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen in einem kleinen Café, fernab der neugierigen Blicke der Hamburger Gesellschaft, wo er mir seine ersten, beunruhigenden Erkenntnisse mitteilte. Er hatte in den wenigen Stunden seit der Party kaum geschlafen, seine Augen waren rot unterlaufen.
“Scarlett, da ist etwas, das du wissen musst”, begann Leo, seine Stimme leise, fast ein Flüstern über dem Geräusch klirrender Tassen.
Er schob mir einen zerknitterten Notizblock über den Tisch. Darauf waren einige Namen und Daten notiert, daneben eine Adresse, die ich sofort wiedererkannte: das kleine Anwesen am Elbhang, das seit Generationen im Familienbesitz der Richters war. Ich hatte gehofft, dass es eines Tages mir zufallen würde, ein winziger Ausgleich für all die Kälte und Zurückweisung.
“Elisabeth hat das Anwesen vor Wochen auf Chloe übertragen”, fuhr Leo fort, seine Augen suchten meine.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, der Kaffee in meiner Tasse schien plötzlich eisig. Das war die heimliche Übertragung, von der er gesprochen hatte – ein Akt, der lange vor meiner “Verleumdung” geplant war und meine Mutter und Chloe als kalkulierende Verschwörer entlarvte. Sie hatten mich nicht erst jetzt ausbooten wollen, sondern bereits die Weichen dafür gestellt, bevor überhaupt jemand von Lorenzos Existenz wusste. Es war ein Stich mitten ins Herz, zu wissen, dass ich schon lange vor der Verlobung aus ihren Plänen gestrichen worden war.
“Das kann nicht sein”, murmelte ich, obwohl ich Leos Worten Glauben schenkte.
Meine Hände umklammerten die Tasse. Das Anwesen war nicht nur materieller Wert, es war ein Symbol für die Familie, für meine Zugehörigkeit, die mir nun erneut entrissen wurde, noch bevor ich überhaupt die Chance hatte, sie zu beanspruchen.
“Doch”, widersprach Leo mit fester Stimme. “Ich habe es durch meine Kontakte bei der Verwaltung herausgefunden. Die Papiere sind vor knapp einem Monat unterzeichnet worden.”
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