Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Die Erkenntnis über Elisabeths wahre Identität und die Gründe für ihre Kälte war für Scarlett ein schwerer Schlag. Doch bevor sie die volle Tragweite dieser Enthüllung verarbeiten konnte, schlug die Richter-Familie erneut zu. Die gerichtliche Vorbereitung für die Klage wegen Verleumdung und die Gegenklage um das Erbe war in vollem Gange, und die Spannung zwischen den Parteien war greifbar.
Scarlett, Leo und ihr Anwalt, Herr Schneider, saßen in einem kleinen Besprechungsraum im Gerichtsgebäude. Herr Schneider war ein erfahrener Jurist, der durch Lorenzos Empfehlung hinzugezogen worden war. Er war ruhig und methodisch, und sein Blick ruhte oft nachdenklich auf Scarlett, als würde er versuchen, ihre innere Stärke zu ermessen.
“Die Gegenseite wird versuchen, Sie zu diskreditieren, Scarlett”, erklärte Herr Schneider.
Er blätterte durch seine Notizen.
“Sie werden versuchen, Ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Darauf müssen wir vorbereitet sein.”
Scarlett nickte, ihr Magen zog sich zusammen. Sie hatte erwartet, dass Elisabeth und Chloe schmutzig spielen würden, aber sie wusste noch nicht, wie weit sie gehen würden.
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und Chloes Anwalt trat ein, gefolgt von Chloe selbst. Sie trug ein elegantes, aber strenges Kostüm, und ihr Blick war kalt und entschlossen. Elisabeth war nicht anwesend, was Scarlett nicht überraschte. Sie zog es vor, ihre Schlachten aus der Ferne zu führen.
Chloe setzte sich mit einem knappen Nicken an den Tisch, ihre Augen vermieden Scarletts Blick. Sie wirkte nervös, ihre Hände spielten unruhig mit dem Revers ihres Kostüms.
“Meine Mandantin hat ein weiteres Dokument, das für die Klärung dieses Falles von Bedeutung ist”, sagte Chloes Anwalt, seine Stimme war schleimig und selbstgefällig.
Er legte ein vergilbtes Blatt Papier auf den Tisch.
Chloe schob es nervös über den Tisch zu Herrn Schneider.
Scarlett sah zu Leo, dessen Augenbrauen sich leicht hoben. Irgendetwas stimmte hier nicht.
Herr Schneider nahm das Dokument entgegen und begann zu lesen. Seine Miene verfinsterte sich, je länger er las.
“Was ist das?”, fragte Scarlett, ihre Stimme war scharf.
Herr Schneider reichte ihr das Dokument. Es war ein angebliches psychologisches Gutachten, datiert auf meine späte Jugend. Darin wurde ich als “psychisch instabil”, “emotional unzuverlässig” und “anfällig für hysterische Anfälle” beschrieben. Angeblich unterschrieben von einem Dr. Schmidt, einem längst verstorbenen Familienarzt. Das war eine direkte, persönliche Kränkung, die unter die Haut ging – die angebliche Diagnose untergrub meine Persönlichkeit und meine Integrität. Es war ein Versuch, mich als Frau und als Mensch zu entwerten.
Ich spürte, wie das Blut in meinen Ohren rauschte. Meine Hände umklammerten das Papier, meine Nägel gruben sich in meine Handflächen. Psychisch instabil? Unzuverlässig? Das war eine Lügenkampagne, die meine gesamte Existenz in Frage stellen sollte.
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