Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Die Enthüllungen über die gefälschten Papiere und die geheimnisvolle Tagebuchseite meiner Tante hatten mich zutiefst erschüttert. Ich wusste, dass ich in einen Kampf geraten war, dessen Ausmaß ich noch nicht vollständig überblicken konnte. Inmitten dieser Ungewissheit erhielt ich eine unerwartete Einladung. Ein Telegramm, kurz und prägnant, von Lorenzo Moretti. Er bat mich, ihn in seinem Büro im Hotel zu besuchen.
Ich betrat das imposante Hotel Moretti, dessen elegante Fassade im Nachkriegs-Hamburg wie ein Leuchtturm der Stabilität wirkte. Der Concierge führte mich schweigend zu einem Aufzug, der mich in die oberste Etage brachte. Lorenzos Büro war nicht protzig, sondern strahlte eine ruhige Macht aus. Dunkle Hölzer, weiche Ledersessel und ein großer Schreibtisch mit Blick über die Stadt. Er saß dort, ein Glas Whisky in der Hand, und blickte nachdenklich aus dem Fenster.
“Scarlett”, sagte er, als ich eintrat, seine Stimme war tief und beruhigend.
Er drehte sich um, sein Blick war intensiv und doch warm.
“Danke, dass du gekommen bist.”
Ich nahm Platz auf einem der Ledersessel, mein Herz klopfte leicht vor Nervosität. “Ich habe Ihre Einladung erhalten.”
“Ich habe gehört, was passiert ist”, sagte Lorenzo, seine Augen fixierten meine.
Er stellte das Glas auf dem Schreibtisch ab.
“Von Leo, nehme ich an?”, fragte ich.
Lorenzo nickte langsam. “Leo ist ein loyaler Bruder. Er hat mir einiges erzählt.”
Er lehnte sich zurück, seine Hände waren ineinander verschränkt. Seine Präsenz war stark, aber nicht einschüchternd.
“Die Geschichte mit dem Anwesen und dem Notar ist eine ernste Angelegenheit”, fuhr er fort.
“Und die Tagebuchseite meiner Tante”, fügte ich hinzu. “Es scheint, als gäbe es eine größere Verschwörung.”
Lorenzo schwieg einen Moment, sein Blick wanderte über die Stadt. “Elisabeth Richter ist eine Frau, die sich nimmt, was sie will. Und sie ist sehr geschickt darin, Spuren zu verwischen.”
Ein leises Räuspern.
“Ich möchte Ihnen meine volle Unterstützung anbieten.”
Ich sah ihn überrascht an. “Ihre Unterstützung?”
“Finanziell, natürlich”, sagte er. “Rechtsstreitigkeiten sind teuer. Aber auch meine Kontakte. Ich habe viele Wege, um ‘die Wahrheit ans Licht zu bringen’, wie Sie so schön sagten.”
Er lächelte leicht, ein Hauch von Ironie in seinen Augen.
“Warum tun Sie das?”, fragte ich, misstrauisch.
Seine Hilfsbereitschaft war überwältigend und unerwartet. Ich war es gewohnt, dass Menschen ihre eigenen Interessen verfolgten.
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