Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Leo war ein Mann der leisen Töne, aber seine Entschlossenheit war unerschütterlich. Nachdem Scarlett ihm von den gefälschten Anwesen-Papieren und der Unterschrift des Notars Müller berichtet hatte, war seine anfängliche Irritation einer ruhigen, aber eisernen Zielstrebigkeit gewichen. Er wusste, dass seine Familie lügen würde, aber eine so dreiste Fälschung war selbst für sie ein neues Terrain.
Am nächsten Morgen machte sich Leo auf den Weg, um die Spur des angeblichen Notars Müller zu verfolgen. Er begann seine Nachforschungen im Notariatsarchiv der Stadt Hamburg, einem kargen Gebäude, das den Kriegswirren standgehalten hatte. Die Gänge waren erfüllt vom Geruch alten Papiers und einer fast unwirklichen Stille, die nur vom Knarren seiner Schuhe unterbrochen wurde. Er sprach mit einer älteren Archivarin, deren graues Haar zu einem strengen Dutt gebunden war. Sie war über die Jahre hinweg zu einer wandelnden Enzyklopädie der Hamburger Notare geworden.
“Suchen Sie nach Herrn Müller?”, fragte die Archivarin mit einer brüchigen Stimme, während sie durch verstaubte Aktenordner blätterte.
Sie legte eine dicke Mappe auf den Tresen, ihr Blick war durch ihre dicke Brille schwer zu deuten.
“Ja, nach einem Notar namens Müller, der um 1950 in Hamburg tätig war”, bestätigte Leo, seine Stimme war respektvoll.
Er hoffte, dass er hier eine erste Spur finden würde, die seine Vermutung bestätigte.
Die Frau musterte ihn kurz, ihre Finger strichen über ein altes Verzeichnis. “Herr Notar Heinrich Müller, Sie meinen?”
“Das könnte er sein”, sagte Leo, eine vorsichtige Hoffnung stieg in ihm auf.
Er beobachtete, wie ihre Augen die Zeilen absuchten, ihre Finger über die Namen strichen.
Sie schüttelte langsam den Kopf. “Ach, der alte Herr Müller. Er war ein angesehener Mann.”
Leo spürte, wie sich ein Knoten in seinem Magen zusammenzog. “War?”, fragte er.
Die Archivarin hob den Blick, ihre Augen schienen plötzlich sehr wach. “Ja, er ist bereits 1948 verstorben. Ein Herzinfarkt, wenn ich mich recht erinnere.”
Ein kalter Schauer lief Leo über den Rücken. 1948. Das war zwei Jahre *bevor* die von Elisabeth präsentierten Papiere angeblich unterzeichnet worden waren. Der Boden unter seinen Füßen schien zu schwanken. Diese Informationen waren ein Volltreffer.
“Sind Sie sich da sicher?”, fragte Leo, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
“Absolut”, bestätigte die Archivarin mit einem Nicken. “Ich habe seine Sterbeurkunde selbst in den Akten gesehen. Es war damals ein großer Verlust für die Notariatskammer.”
Sie schob ihm eine vergilbte Karteikarte über den Tresen, auf der das Sterbedatum von Heinrich Müller vermerkt war. Das war der Beweis, dass die Unterschrift gefälscht war, aber nicht der Beweis, *wer* sie gefälscht hatte. Es war ein indirekter, aber entscheidender Schlag gegen die Richters.
Leo bedankte sich höflich und verließ das Archiv, sein Kopf war voller Gedanken. Er hatte seine Bestätigung – die Papiere waren eine Fälschung. Aber es war noch nicht der endgültige Beweis, der Elisabeth und Chloe direkt belasten würde, da man die Unterschrift selbst noch nicht als Fälschung entlarvt hatte, nur das Todesdatum des Notars.
Er ging in ein nahegelegenes Telefonhäuschen und wählte Scarletts Nummer. Er musste ihr sofort davon erzählen. Sie würde erleichtert sein, zu wissen, dass ihre Anschuldigungen nicht aus der Luft gegriffen waren.
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