Scarlett Richter verkündete bei der Verlobung ihrer Schwester ihre Liaison mit einem mächtigen Hotelier – doch ihre Mutter reagierte mit einer bitteren Klage
Der nächste Morgen brach an, erfüllt von einer schwülen Spannung, die über Hamburg lag. Scarlett war früh aufgestanden, hatte kaum geschlafen. Der Gerichtssaal war am zweiten Verhandlungstag noch voller als am ersten. Die Erwartung lag förmlich in der Luft. Journalisten drängten sich in den Bänken, ihre Kameras bereit. Die Hamburger Gesellschaft war erschienen, um das Drama hautnah mitzuerleben.
Elisabeth und Chloe saßen an ihrem Tisch, ihre Gesichter waren angespannt. Elisabeth blickte starr nach vorne, ihre Haltung war steif. Chloe wirkte blass, ihre Augen huschten nervös durch den Saal. Herr Gruber, ihr Anwalt, hatte eine arrogante Fassade aufgesetzt, doch Scarlett sah die Anspannung in seinen Augen. Seine Hände umklammerten die Dokumente so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.
Scarlett nahm ihren Platz ein, Leo an ihrer Seite. Ihr Anwalt, Herr Schneider, wirkte ruhig und gesammelt. Lorenzo saß diskret in der hintersten Reihe, seine Präsenz war ein stilles Zeichen der Unterstützung. Das war eine weitere kleine Kränkung für Elisabeth und Chloe: Lorenzos unerschütterliche Loyalität zu Scarlett, ein sichtbarer Kontrast zu ihrer eigenen Verräterei.
Der Richter betrat den Saal, seine Miene war ernst. Er blickte streng in die Runde.
“Die Anhörung wird fortgesetzt”, verkündete er, seine Stimme hallte durch den Raum.
Herr Gruber erhob sich. “Euer Ehren, meine Mandantinnen haben in der zur Verfügung stehenden Zeit leider keine weiteren Beweismittel beschaffen können, die die Anschuldigungen von Frau Scarlett Richter widerlegen könnten.”
Ein Murmeln ging durch den Saal. Elisabeths Kopf zuckte leicht, ihre Lippen waren zu einer dünnen Linie gepresst. Chloe schloss kurz die Augen. Es war ein Eingeständnis der Niederlage, zumindest in diesem Punkt.
“Sehr wohl”, sagte der Richter. “Dann werden wir nun die Beweisführung von Frau Scarlett Richter anhören.”
Herr Schneider erhob sich. Er begann mit den Diskrepanzen in den Aussagen von Elisabeth und Chloe bezüglich des Anwesens am Elbhang. Er präsentierte die Ergebnisse von Leos Nachforschungen über den Notar Müller, dessen Sterbedatum eindeutig vor dem angeblichen Unterzeichnungsdatum lag.
“Die von der Familie Richter vorgelegten Dokumente sind offensichtlich gefälscht”, erklärte Herr Schneider mit fester Stimme.
Elisabeth schnappte nach Luft, ihr Blick war starr. Chloe wurde rot im Gesicht, ihre Hände verkrampften sich. Die direkte Konfrontation mit ihrer Lüge schien sie zu überraschen, als hätten sie nicht erwartet, dass man ihre Fassade so schnell zum Einsturz bringen könnte. Das war eine gezielte Kränkung: Der öffentliche Beweis, dass sie wissentlich Dokumente gefälscht hatten, traf sie ins Mark ihres gesellschaftlichen Ansehens.
Herr Schneider fuhr fort. Er präsentierte den Bericht über die gefälschte Unterschrift von Dr. Schmidt auf dem psychologischen Gutachten. Er erklärte, wie die Unterschrift nachgeahmt worden war und dass das Dokument niemals von Dr. Schmidt stammen konnte.
“Dies ist ein klarer Versuch, die Glaubwürdigkeit meiner Mandantin zu untergraben und sie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren”, sagte Herr Schneider.
“Eine persönliche Attacke, die das Vertrauen in die Rechtsprechung zutiefst erschüttert.”
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