Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Die Drohbotschaft, die Clara erhalten hatte, war ein Weckruf. Leopold und Elias wussten, dass sie jetzt keine Zeit mehr verlieren durften. Richters Schachzug, Claras Mutter zu bedrohen, zeigte die volle Tiefe seiner Skrupellosigkeit. Sie brauchten unwiderlegbare Beweise, um ihn zu stoppen, bevor er weiteren Schaden anrichten konnte.
„Wir müssen seine Praxis durchsuchen“, sagte Leopold zu Elias, seine Stimme war kühl und entschlossen. „Er muss etwas versteckt haben, etwas, das seine okkulten Praktiken und die früheren Opfer klar belegt.“
Elias hatte bereits vorgearbeitet. Seine Kontakte in der „Unterwelt“ waren Experten für diskrete Zugänge und unauffällige Recherchen. Sie waren bereits im Einsatz, hatten Richters Praxis überwacht und auf den richtigen Moment gewartet.
In den frühen Morgenstunden, als die Stadt noch schlief, gelang es Elias’ Team, unbemerkt in Dr. Richters exklusive Privatpraxis einzudringen. Sie wussten, dass Richter alles penibel dokumentierte, auch seine dunklen Experimente.
Nach einer Stunde angespannter Suche, in der jeder Aktenschrank und jeder geheime Mechanismus überprüft wurde, stieß einer der Männer auf ein verstecktes Fach hinter einem Bücherregal, das scheinbar fest mit der Wand verbunden war. Dahinter lag, eingewickelt in ein Stück dunklen Samt, ein dickes, ledergebundenes Notizbuch – Richters geheimes Forschungstagebuch.
Elias nahm es entgegen, seine Handschuhe schützten vor Fingerabdrücken. Er blätterte durch die Seiten, seine Augen fixierten die kleine, pedantische Handschrift Richters. Es war keine Fiktion, sondern eine akribische Aufzeichnung seiner Grausamkeiten.
Das Tagebuch enthielt detaillierte Aufzeichnungen seiner „Patienten“, die in Richters okkulter Terminologie als „Subjekte“ bezeichnet wurden. Jede Seite dokumentierte ihre „Behandlungen“, die Fortschritte der „Energieübertragungen“ und die „Erfolge“ seiner Rituale. Es war eine erschütternde Chronik menschlichen Leidens.
Elias fand Listen mit Namen, Daten und Beobachtungen, die seine schlimmsten Befürchtungen bestätigten. Unter diesen Namen entdeckte er auch den Eintrag für „Lena S.“, das „Subjekt“, das im Forum erwähnt wurde. Daneben stand das genaue Datum ihres Verschwindens, vermerkt als „erfolgreiche Auflösung der Negativität“.
Der kalte, klinische Ton, mit dem Richter über das Verschwinden eines Menschen schrieb, war zutiefst verstörend. Es war, als würde er über eine wissenschaftliche Beobachtung und nicht über ein menschliches Schicksal berichten. Diese persönliche Grausamkeit zeigte sich in der Kälte seiner Aufzeichnungen.
Dann stieß Elias auf einen Eintrag, der das Amulett betraf, das Clara trug. Richter beschrieb es als ein „Resonanzobjekt“, das er seinen „Subjekten“ gab. Es sei dazu gedacht, die während der „Reinigung“ empfangene „negative Energie“ zu binden und für spätere „Extraktionen“ aufzubewahren.
Es war eine Batterie, die Claras eigene Lebensenergie speicherte, damit Richter sie nach Belieben entziehen konnte. Das Amulett, das sie als Schutz getragen hatte, war in Wirklichkeit eine Falle gewesen, ein Instrument ihrer langsamen Ausbeutung.
Elias fühlte einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Die Raffinesse und Bösartigkeit von Richters Methoden übertrafen alles, was er sich vorgestellt hatte. Er hatte Clara nicht nur physisch misshandelt und psychisch manipuliert, sondern sie auch energetisch versklavt.
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