Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Die Angst nagte an Clara. Sie saß in ihrer kleinen Mietwohnung, die Gala-Einladung lag offen auf dem Küchentisch, ein scheinbar harmloses Stück Papier, das sich wie eine Drohung anfühlte. Nicht nur Marius’ unverhohlene Wut bereitete ihr Sorge, sondern auch die wachsende, unheimliche Leere in ihrem Inneren, die sich seit seinen sogenannten „Behandlungen“ wie ein kalter Nebel ausgebreitet hatte.
Ihre Gedanken waren wie Watte, manchmal schien ihr Wille zu zerbröseln. Sie konnte kaum noch klar denken, gefangen in einem Netz aus Furcht und der seltsamen Apathie, die Marius ihr eingehaucht hatte.
Das Gefühl war unbeschreiblich, eine Erosion ihrer selbst, die sich nicht mit Worten fassen ließ.
Jeder Tag, jede Nacht, fühlte es sich an, als würde ein Stück von ihr verschwinden.
Sie musste Marius beruhigen, das wusste sie.
Die Gala durfte nicht gefährdet werden, nicht jetzt, wo er so kurz vor seiner „großen Anerkennung“ stand.
Sie griff nach ihrem Telefon, ihre Finger zitterten leicht.
„Marius?“, sagte sie, ihre Stimme klang dünner, als sie es gewohnt war.
„Clara, meine Liebe“, antwortete er, seine Stimme war sofort weich und einschmeichelnd, als wäre die Episode von vorgestern nie geschehen. „Ich habe auf deinen Anruf gewartet.“
Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals.
„Es tut mir leid, wegen gestern Abend“, flüsterte sie, obwohl sie wusste, dass sie nichts falsch gemacht hatte.
„Ach, das ist doch Vergangenheit“, sagte Marius lässig, als würde er einen Fleck von seinem Designerhemd wischen. „Wichtig ist, dass du zur Vernunft gekommen bist.“
Clara nickte in das leere Zimmer.
„Ich werde ruhig bleiben, ich verspreche es“, sagte sie.
„Das ist meine kluge Clara“, erwiderte er, und in seinem Ton schwang eine kaum merkliche Süffisanz mit. „Nach der Gala wird alles besser sein. Du wirst vollständig geheilt sein, meine Liebe. Frei von all deinen inneren Dämonen.“
Seine Worte klangen wie ein leeres Versprechen, aber es war das Einzige, woran sie sich festhalten konnte. Sie wusste, dass seine „Heilung“ sie weiter entleerte, aber sie hatte keine Kraft, sich zu wehren.
Sie spürte eine finstere Vorfreude in seiner Stimme, die ihre eigene Angst noch verstärkte. Er sprach von Heilung, aber seine Augen, das wusste sie aus leidvoller Erfahrung, versprachen nur weitere Dunkelheit.
Diese besondere Grausamkeit, dass er ihr das nahm, was sie zu ihr machte, während er vorgab, sie zu retten, war fast unerträglich. Er entzog ihr die Energie, die ihren Willen bildete, ihre Fähigkeit, sich zu wehren.
Als sie auflegte, saß sie da, die Hände im Schoß gefaltet, unfähig, sich zu bewegen. Die Worte „vollständig geheilt“ hallten in ihrem Kopf wider, ein böses Echo dessen, was er tatsächlich mit ihr vorhatte.
Sie wusste nicht, wie viel von ihr noch übrig sein würde, wenn er mit seiner „Heilung“ fertig war. Die subtilen, fast unmerklichen Muster auf ihrer Haut, die Leopold gesehen hatte, waren nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.
Die tiefere Grausamkeit lag in der systematischen Zerstörung ihres inneren Selbst, ihres Geistes, ihrer Lebenskraft. Marius spielte nicht nur mit ihrem Körper, sondern mit ihrer Seele.
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