Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Clara saß an ihrem Schreibtisch in der Stiftung, ihre Gedanken waren weit weg von den aktuellen Projekten. Die Erkenntnisse über Marius und das Amulett, die Leopold und Elias ihr offenbart hatten, hatten sie zutiefst erschüttert. Sie spürte eine Mischung aus Angst und einer neuen, brennenden Wut in sich aufsteigen. Doch die Angst überlagerte noch immer alles.
Die Vorstellung, dass Marius ihre Lebensenergie entzog, war so unheimlich, dass sie Mühe hatte, die Realität zu fassen. Und dann waren da die Gerüchte über sie und Leopold, die wie eine kalte Welle durch die Büroflure schwappten und sie noch mehr isolierten.
Sie blickte auf ihr Handy, das auf dem Tisch lag. Eine anonyme Nachricht hatte sie gerade erreicht. Die Absenderadresse war unkenntlich gemacht, aber die Nachricht selbst war erschreckend klar.
„Sprichst du, verlieren alle. Denk an deine Vergangenheit. Und an deine Mutter.“
Die Worte waren wie ein Schlag in die Magengrube. Ihre „schwierige Vergangenheit“ – Marius hatte sie ihr immer wieder vorgehalten, um sie gefügig zu machen. Und dann die Erwähnung ihrer Mutter.
Clara spürte, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie hatte ihre alleinerziehende Mutter immer aus Richters Einflussbereich gehalten, beschützt vor seiner toxischen Präsenz. Dass er ihre Adresse kannte, ihre Achillesferse, war eine persönliche Grausamkeit, die sie bis ins Mark traf.
Ihre Hände zitterten, als sie die Nachricht noch einmal las. Die Drohung war subtil, aber ihre Wirkung war verheerend. Marius spielte mit ihren tiefsten Ängsten, nutzte ihre Liebe zu ihrer Mutter aus, um sie zum Schweigen zu bringen.
Sie wusste, dass Marius nicht nur leere Worte machte. Die Entdeckung von Lena und den anderen verschwundenen Opfern, die Elias ihr gezeigt hatte, belegte seine Skrupellosigkeit. Er würde vor nichts zurückschrecken.
Die Angst schnürte ihr die Kehle zu, ließ sie kaum atmen. Sie war nicht nur ihretwegen in Gefahr, sondern auch wegen der Person, die ihr am wichtigsten war. Das war die eigentliche Härte seiner Manipulation.
Sie sprang auf, rannte ins Bad und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Ihre Reflexion im Spiegel sah fremd aus, von Panik verzerrt.
Wie konnte sie jetzt noch sprechen? Wie konnte sie ihre Mutter in Gefahr bringen?
Sie kehrte an ihren Schreibtisch zurück, ihre Gedanken rasten. Der Kampfgeist, der sich nach dem Gespräch mit Leopold in ihr zu regen begonnen hatte, wurde jäh erstickt. Marius hatte genau gewusst, welche Knöpfe er drücken musste.
Diese persönliche Grausamkeit, die Bedrohung ihrer Mutter, traf sie härter als jeder Schlag. Es war ein direkter Angriff auf ihr Herz, auf das, was sie am meisten liebte.
Sie musste Leopold und Elias sofort informieren. Diese Drohung änderte alles. Es war nicht länger nur ihr eigenes Schicksal, das auf dem Spiel stand.
Sie schickte Leopold eine kurze, aber dringende Nachricht: „Ich habe eine Drohbotschaft erhalten. Es geht um meine Mutter.“
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