Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Leopold Graf saß an seinem Schreibtisch, als Elias ihm das verschlüsselte Tablet mit den neuen Informationen überreichte. Die Screenshots des Forums, die detaillierten Beschreibungen der Rituale und vor allem die Erwähnung von „Lena“ ließen ihm das Blut in den Adern gefrieren. Die Grausamkeit von Richters Praktiken war unvorstellbar.
„Wir müssen Clara damit konfrontieren“, sagte Leopold, seine Stimme war rau vor Empörung. „Sie muss die volle Wahrheit kennen.“
Elias nickte. „Ich habe ihr bereits eine verschlüsselte Nachricht geschickt und sie um ein Treffen gebeten. Unter vier Augen. Sie hat zugesagt.“
Kurz darauf betrat Clara Leopolds Büro. Sie sah blass aus, ihre Augen waren tiefer in ihren Höhlen versunken als zuvor. Ihre ganze Gestalt schien unter einer unsichtbaren Last zu leiden, die sie kaum noch aufrecht halten konnte.
Leopold bat sie, sich zu setzen, und schob ihr das Tablet mit den Foren-Einträgen zu. Elias blieb diskret im Hintergrund stehen, seine Präsenz war eine stumme Unterstützung.
„Clara, wir haben etwas gefunden“, begann Leopold vorsichtig. „Etwas, das Ihre Situation erklärt. Etwas über Marius.“
Clara blickte auf das Tablet, ihre Augen überflogen die alten, unheimlichen Texte über „Seelenreinigungsrituale“ und das „Schatten-Symbol“. Ihr Atem stockte, als sie die Beschreibungen der „Energieübertragungssymptome“ las.
„Das… das ist Unsinn“, flüsterte sie, aber ihre Stimme zitterte unkontrolliert. „Marius würde so etwas nie tun.“
„Lesen Sie den Beitrag von ‚VerlorenerWeg‘“, forderte Leopold sie sanft auf. „Den über seinen ‚Mentor‘ und ‚Lena‘.“
Als Clara die Zeilen über Lena und das „verschwundene Subjekt“ las, entwich ihr ein leiser Schrei. Ihre Hände zitterten so stark, dass das Tablet fast zu Boden fiel. Die Farbe wich völlig aus ihrem Gesicht.
„Ich… ich sehe manchmal Schatten“, sagte sie leise, ihre Stimme war kaum hörbar. „Seit Marius’ ‚Reinigungen‘. Und ein Gefühl der ständigen Beobachtung. Es ist nicht nur in meinem Kopf, ich weiß es.“
Leopold und Elias tauschten einen besorgten Blick aus. Ihre schlimmsten Befürchtungen wurden bestätigt.
„Er hat mir einmal ein Amulett geschenkt“, fuhr Clara fort, ihre Augen waren jetzt weit aufgerissen und voller blanker Panik. „Er nannte es ‚Schutz vor externer Negativität‘. Ich trage es immer.“
Sie zog einen kleinen, kunstvoll geschnitzten Anhänger unter ihrem Pullover hervor. Er zeigte ein Symbol, das dem „Schatten-Symbol“ aus dem Forum ähnelte, aber in einer leicht abgewandelten Form, fast wie eine stilisierte Version. Es war aus einem dunklen, glatten Holz gefertigt und wirkte auf den ersten Blick harmlos.
In diesem Moment brach Clara endgültig zusammen. Die Worte, die sie jahrelang verborgen gehalten hatte, strömten nun aus ihr heraus, vermischt mit Tränen und Schluchzen. Sie erzählte von den eigentümlichen Berührungen Richters während der „Behandlungen“, von den seltsamen Salben, die er ihr auf die blauen Flecken auftrug, und von dem Gefühl, dass ein Teil von ihr jeden Tag ein wenig mehr abstarb.
„Er sagte, ich müsste mich öffnen, um die Negativität abzuleiten“, schluchzte sie. „Er sagte, meine Angst sei nur ein Zeichen, dass die Heilung wirke.“
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