Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Leopold Graf saß in seinem Büro, das Telefon noch in der Hand, nachdem er Elias’ Bericht über das Online-Forum und die Warnung des Studenten gehört hatte. Die Erkenntnis, dass Richter nicht nur ein gewalttätiger Mann, sondern ein okkulter Manipulator war, hatte ihn tief beunruhigt. Er musste mit Clara sprechen, ihre Zustimmung einholen, bevor er weitere Schritte unternahm, die sie in Gefahr bringen könnten.
Er ließ Clara in sein Büro rufen, als ginge es um Routineangelegenheiten für die Stiftung. Als sie hereinkam, bemerkte er sofort ihre leeren Augen, die matte Ausstrahlung, die sich seit ihrer letzten Begegnung noch verstärkt hatte. Sie trug ein elegantes, hochgeschlossenes Kleid, das ihre Arme bedeckte, aber er sah die Anspannung in ihren Schultern.
„Clara, nehmen Sie Platz“, sagte er, seine Stimme war sanft, aber bestimmt. „Ich möchte mit Ihnen über etwas sehr Wichtiges sprechen.“
Sie setzte sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch, die Hände im Schoß gefaltet, ihre Haltung war steif. Sie mied seinen Blick, fixierte stattdessen einen Punkt an der Wand.
„Ist etwas mit der Gala?“, fragte sie leise, ihre Stimme klang bemerkenswert gleichmütig.
„Es geht nicht um die Gala“, erwiderte Leopold. „Es geht um Sie, Clara. Und um Dr. Richter.“
Er legte eine kurze Pause ein, suchte nach den richtigen Worten.
„Ich habe Grund zu der Annahme, dass seine Methoden… unorthodox sind. Und gefährlich.“
Clara zuckte kaum merklich zusammen. Ihre Augen huschten zu ihm, ein flüchtiger Moment der Panik spiegelte sich darin, bevor sie sich wieder hinter einer undurchdringlichen Fassade versteckten.
„Ich verstehe nicht, wovon Sie sprechen, Herr Graf“, sagte sie, ihre Stimme war nun fest, aber emotionslos. „Marius ist ein angesehener Arzt. Er hilft mir sehr.“
Leopold spürte, wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen hochgezogen wurde. Er sah die Furcht in ihren Augen, aber auch eine seltsame Apathie, eine Resignation, die er nicht einordnen konnte. Es war, als würde ein Teil von ihr fehlen, als sei sie nicht ganz anwesend.
„Ich habe Beweise, Clara“, sagte er, seine Stimme sank zu einem Flüstern. „Beweise, die auf mehr als nur… häusliche Probleme hindeuten. Es geht um Rituale, um Energieentzug. Um frühere Opfer.“
Er beobachtete ihre Reaktion genau. Ihre Finger zuckten im Schoß, aber ihr Gesicht blieb ausdruckslos. Es war, als hätte sie die Fähigkeit verloren, Emotionen zu zeigen. Diese Apathie war eine eigene, subtile Grausamkeit, die tief in ihr arbeitete.
„Marius sorgt sich um mein Wohl“, sagte sie, ihre Stimme klang nun fast mechanisch. „Er sagt, ich habe eine schwierige Vergangenheit, die meine Energie stört. Er hilft mir, sie zu reinigen.“
Die Worte klangen wie auswendig gelernt, eine von Marius eingepflanzte Erklärung. Leopold sah, dass sie nicht nur verängstigt war, sondern auch zutiefst manipuliert. Ihre Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, war getrübt.
„Clara, er manipuliert Sie“, sagte Leopold, seine Stimme war nun dringlicher. „Er hat Ihnen ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt. Die Flecken auf Ihrem Arm, die Leere, die Sie spüren… das sind die Folgen seiner Misshandlung. Nicht die Symptome Ihrer Vergangenheit.“
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