Ihr Verlobter schlug sie bis zur Unkenntlichkeit, aber ihre Tarnung flog auf, als ihr Milliardärs-Chef die ungewöhnlichen Muster der Verletzungen sah und beschloss, sich rächend einzumischen.
Leopold Graf saß mit Elias in seinem Büro, als er die verschlüsselten Bilder des Tagebuchs durchsah. Jeder Eintrag war ein Stich ins Herz, eine Offenbarung der abscheulichen Methoden Richters. Die pedantischen Aufzeichnungen über die „Subjekte“, die „Behandlungen“ und die „Erfolge“ seiner Rituale waren ein Beweis für seine kalte, berechnende Grausamkeit.
Doch der Eintrag über das Amulett traf ihn am härtesten. Die Erkenntnis, dass das kleine Holzobjekt, das Clara als Schutz getragen hatte, tatsächlich ein Instrument ihrer energetischen Ausbeutung war, war kaum zu ertragen. Es war der Gipfel der perfiden Grausamkeit.
Er ließ Clara sofort in sein Büro rufen. Sie kam zögernd herein, ihre Augen waren von der Drohbotschaft und den Gerüchten noch müder als zuvor. Sie hielt das Amulett fest in ihrer Hand, als ob es ihr Trost spenden könnte.
„Clara, wir haben Richters Tagebuch gefunden“, sagte Leopold, seine Stimme war leise, aber fest. „Es gibt Aufschluss über alles. Auch über das Amulett.“
Clara schluckte schwer, ihre Augen fixierten das Notizbuch, das Leopold auf dem Schreibtisch ausgebreitet hatte. Sie spürte eine tiefe Vorahnung, die ihr Herz zusammenzog.
„Er hat darin jeden Schritt seiner… Experimente dokumentiert“, fuhr Leopold fort. „Auch das Amulett, das Sie tragen.“
Elias trat vor und zeigte auf den relevanten Eintrag im Tagebuch. Claras Blick wanderte über die Zeilen, ihre Lippen formten stumm die Worte. „Resonanzobjekt… bindet empfangene negative Energie… für spätere Extraktionen aufbewahren.“
Die Erkenntnis traf sie mit brutaler Wucht. Sie verstand die Bedeutung der Worte sofort. Das Amulett war kein Schutz. Es war eine Batterie, die ihre eigene Lebensenergie für Marius sammelte, ein Werkzeug, das sie an ihn und seine dunkle Kontrolle band.
„Nein“, flüsterte sie, ihre Stimme war kaum hörbar. „Das ist nicht wahr. Er hat gesagt… es schützt mich.“
Tränen stiegen ihr in die Augen, aber diesmal waren es keine Tränen der Angst, sondern der tiefen, vernichtenden Enttäuschung. Die Lüge war so grausam, so tief verwurzelt, dass sie kaum atmen konnte. Das einzige, woran sie sich in ihrer Verzweiflung festgehalten hatte, war eine Lüge.
Leopold sah die totale Verzweiflung in ihrem Gesicht.
„Es tut mir leid, Clara“, sagte er. „Aber es ist die Wahrheit. Er hat Sie nicht nur misshandelt, er hat Sie energetisch ausgebeutet.“
Clara schüttelte den Kopf, ihre Hände verkrampften sich um das Amulett.
„Ich… ich kann es nicht glauben“, sagte sie. „Er… er war mein Verlobter. Er hat mir geschworen, mich zu lieben.“
Die Erkenntnis, dass sie nicht nur körperlich misshandelt und emotional manipuliert worden war, sondern dass ihr auch noch ihre eigene Lebensenergie entzogen wurde, war ein vernichtender Schlag. Sie war ein bloßes Werkzeug in seinen Händen gewesen, eine Energiequelle, die er nach Belieben anzapfte.
Diese persönliche Grausamkeit war die schlimmste von allen. Marius hatte sie als menschliche Batterie benutzt, während er ihr vorgab, sie zu lieben und zu schützen. Er hatte ihren Körper, ihren Geist und ihre Seele missbraucht.
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