Ihr Schwiegervater schlug sie vor allen, aber sie nutzte ein verstecktes Talent, um sein gesamtes Kultimperium zu Fall zu bringen – und entfesselte dabei etwas viel Schlimmeres.
Die Morgenröte brach langsam über Berlin herein, als ich meinen Laptop zuklappte. Mein Kopf schwirrte vor Zahlen und verdächtigen Verbindungen, aber das Bild der Eintracht als eine jahrhundertealte, weitreichende Organisation hatte sich fest in meinem Bewusstsein verankert. Ich war erschöpft, aber auch entschlossen.
Lena hatte mir unter dem Küchentisch einen Stapel alter Kisten gezeigt, die ihre Mutter nach dem Tod meiner Mutter zu sich genommen hatte. Es waren Dinge, die meiner Mutter gehört hatten und die Lena aufbewahrt hatte, weil sie wusste, wie wichtig sie mir waren. Ich hatte die Kisten seither kaum angerührt, zu schmerzhaft war die Erinnerung.
„Vielleicht ist ja etwas dabei, das dir hilft?“, hatte Lena leise vorgeschlagen.
„Deine Mutter war auch eine starke Frau.“
Ich zögerte. Der Gedanke, die Sachen meiner Mutter zu durchsuchen, schnürte mir die Kehle zu. Aber etwas in Lenas Blick sagte mir, dass es wichtig war. Also nickte ich und zog eine der verstaubten Kisten unter dem Tisch hervor.
Der Inhalt war eine Mischung aus Erinnerungsstücken: alte Briefe, vergilbte Fotos, ein paar Bücher, die ich als Kind geliebt hatte. Jedes Stück weckte eine Welle der Nostalgie und des Schmerzes. Ich vermisste meine Mutter unendlich.
In einer unscheinbaren Ecke der Kiste, unter einem Stapel alter Strickanleitungen, entdeckte ich ein kleines, ledergebundenes Buch. Es war kein gewöhnliches Buch. Der Einband war mit einem verblassten, komplizierten Symbol verziert, das seltsamerweise dem ähnelte, das ich auf den alten Fotos der Eintracht gesehen hatte.
Meine Hände zitterten leicht, als ich es aufschlug. Das Buch war schwer und fühlte sich alt an, die Seiten waren aus dickem, cremefarbenem Papier. Es war ein handgeschriebenes Hauptbuch, aber die Einträge waren nicht in normaler deutscher Schrift verfasst. Es war eine seltsame, fast kalligrafische Handschrift, die ich nicht sofort entziffern konnte.
Ich erkannte einige der Zahlen, die fein säuberlich in Spalten angeordnet waren. Aber die dazugehörigen Beschreibungen waren in einer kaum verständlichen Geheimschrift verfasst. Es waren keine Buchstaben, wie ich sie kannte, sondern eine Reihe von Symbolen und verdrehten Buchstabenformen, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Einige Wörter stachen jedoch hervor, da sie in einer Art vereinfachten Code geschrieben waren, der sich nach genauerem Hinsehen als eine Art Silbenersetzung entpuppte. „Verbindlichkeiten“ stand da, und immer wieder tauchte die Phrase „der Alte Eid“ auf. Die Bedeutung entging mir zunächst völlig.
Ich blätterte vorsichtig durch die Seiten. Die Zahlen waren riesig, weit jenseits dessen, was meine Mutter als einfache Bürgerin hätte verwalten können. Es waren Summen, die zu den finanziellen Machenschaften der Eintracht passen könnten. Eine kalte Erkenntnis durchfuhr mich.
Könnte meine Mutter in etwas viel Größeres verwickelt gewesen sein, als ich je geahnt hatte? Der Gedanke war verstörend und faszinierend zugleich. Sie war eine Lehrerin, eine Frau mit einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit, aber auch eine, die ihr Leben lang ein Geheimnis bewahrt hatte.
Ich legte das Buch auf den Tisch, mein Blick wanderte über die kryptischen Einträge. Was hatte meine Mutter mit „Verbindlichkeiten“ und „dem Alten Eid“ zu tun gehabt? War sie vielleicht auch Teil dieser Gemeinschaft gewesen? Die Vorstellung war absurd und doch beängstigend realistisch.
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