Ihr Schwiegervater schlug sie vor allen, aber sie nutzte ein verstecktes Talent, um sein gesamtes Kultimperium zu Fall zu bringen – und entfesselte dabei etwas viel Schlimmeres.
Nach dem Treffen mit Silas Berger fühlte ich mich einerseits erleichtert, andererseits war ich von einer tiefen Unruhe erfasst. Ich hatte die Schwelle zur Unterwelt überschritten. Es gab kein Zurück mehr. Die nächsten Tage verbrachte ich damit, auf Silas’ Anruf zu warten, meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.
Lena versuchte, mich abzulenken, aber meine Gedanken kreisten unaufhörlich um Charles, die Eintracht und das Versprechen, das ich mir selbst gegeben hatte. Ich schlief kaum, meine Nächte waren gefüllt mit Albträumen von Charles’ wütendem Gesicht und Ryans hilfloser Gestalt.
Drei Tage nach unserem Treffen kam der Anruf von Silas. Seine Stimme war ruhig und emotionslos.
„Wir sind drin“, sagte er.
„Ich habe Ihnen einen sicheren Kanal eingerichtet. Die Zugangsdaten werden Ihnen per verschlüsseltem Nachrichtendienst geschickt.“
Er erklärte mir, dass sein Team verdeckte Kameras und Mikrofone in Charles’ privatem Büro in der Falkenberg-Villa platziert hatte. Es war ein riskanter Schachzug, aber die einzige Möglichkeit, direkten Zugang zu seinen vertraulichen Gesprächen und Unterlagen zu erhalten. Die Technik war ausgeklügelt, von außen nicht zu entdecken.
Einige Minuten später vibrierte mein Handy mit einer Nachricht, deren Inhalt aus einer Reihe unverständlicher Zeichen bestand. Ich benutzte die von Silas bereitgestellte App, um sie zu entschlüsseln. Es waren die Zugangsdaten zu einem verschlüsselten Server, der die Live-Feeds und Aufzeichnungen aus Charles’ Büro speicherte.
Ich richtete mein System ein und öffnete den Stream. Das Bild auf meinem Laptop-Bildschirm zeigte Charles’ luxuriöses Arbeitszimmer, das ich nur zu gut kannte. Die massiven Eichenholzmöbel, die lederbezogenen Sessel, die Bibliothek mit den schweren, alten Büchern. Alles war genau so, wie ich es in Erinnerung hatte.
Ich saß stundenlang vor dem Bildschirm und beobachtete. Charles war nicht immer in seinem Büro. Manchmal war der Raum leer, die Stille war greifbar. Manchmal sah ich ihn am Schreibtisch sitzen, Anrufe tätigen oder Dokumente prüfen. Er wirkte nach außen hin immer ruhig und kontrolliert, selbst wenn seine Augen eine kalte Berechnung verrieten.
Ich begann, die Aufnahmen zu überwachen und nach Mustern zu suchen. Ich erstellte Zeitpläne, notierte, wann er Anrufe erhielt, wann er sich mit Besuchern traf. Es war eine mühsame Arbeit, die Konzentration erforderte und mich mental erschöpfte.
Die ersten Tage brachten keine großen Durchbrüche. Viele Gespräche schienen normale Geschäftsbesprechungen zu sein. Aber ich achtete auf kleine Details: die Art, wie Charles seine Stimme senkte, wenn bestimmte Namen fielen; die nervöse Gestik seiner Gesprächspartner; die Art, wie er manchmal einen Blick auf eine Uhr an der Wand warf, als ob er ein geheimes Zeitlimit hätte.
Eines Nachmittags beobachtete ich, wie Charles einen Anruf erhielt. Seine Miene verdunkelte sich, und er sprach mit einer leiseren, ernsteren Stimme als sonst.
„Die Lieferung ist verzögert?“, fragte er.
„Das kann nicht sein. Die Verpflichtungen müssen eingehalten werden.“
Er sprach von „Verpflichtungen“ und „Lieferungen“, die nicht zu seinen üblichen Geschäftspraktiken als Leiter eines traditionellen Familienunternehmens passten. Es klang eher nach einer Logistikoperation, nach etwas, das dringend und von großer Bedeutung war.
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