Ihr Bauch bewegte sich in der Leichenhalle — Dann enthüllte ein altes Kassenbuch die dunkle Wahrheit über ihren Bruder und unser Nachkriegserbe
Mit dem Kassenbuch und Grubers offensichtlicher Panik in der Hand, wusste ich, dass ich einen großen Schritt vorangekommen war. Ich musste diese Informationen nun an die richtigen Leute weitergeben. Dr. Richter war meine erste Anlaufstelle.
Ich traf mich mit ihr in einem kleinen, unauffälligen Café am Rande der Stadt. Der Geruch von altem Kaffee und Zigarettenrauch hing in der Luft. Die wenigen Gäste waren in ihre eigenen Gespräche vertieft und beachteten uns nicht.
Ich legte das Kassenbuch vorsichtig auf den Tisch, die vergilbten Seiten sprachen Bände. Dr. Richters Augen weiteten sich, als sie es sah. Sie nahm es in die Hand, ihre Finger strichen über das alte Wachstuch.
„Das ist es also“, sagte sie leise.
Sie blätterte durch die ersten Seiten, sah Elises ordentliche Handschrift. Dann blätterte sie zur versteckten Seite, auf der Werners Schulden vermerkt waren. Ihre Augen verengten sich, als sie die Summen und das Fälligkeitsdatum sah.
„Ein Schwarzmarkthändler“, murmelte sie.
Ihre Miene wurde ernst. Sie verstand sofort die Brisanz dieser Informationen.
„Und das Fälligkeitsdatum… nur wenige Tage vor Elises Tod.“
Ich nickte. Die Verbindung war nun unverkennbar. Werners verzweifelte finanzielle Lage, seine Drohungen, Elises Angst – alles führte zu diesem Kassenbuch.
„Das ist ein sehr starkes Motiv, Herr Becker“, sagte Dr. Richter.
Sie schloss das Kassenbuch vorsichtig und legte es zurück auf den Tisch. Ihr Blick war nachdenklich, aber auch entschlossen.
„Es verbindet Werners Schulden direkt mit dem Zeitpunkt von Elises Verschlechterung. Das ist kein Zufall.“
Die Worte gaben mir eine kalte Gewissheit. Es war Mord, geplant und ausgeführt aus purer Gier.
„Notar Gruber war auch schon hier“, sagte ich.
Ich erzählte ihr von seinem Versuch, mich mit fünfhundert Mark abzufinden, und von seiner offensichtlichen Angst, als ich das Kassenbuch erwähnte. Dr. Richter hörte aufmerksam zu, ihre Augen folgten jeder meiner Bewegungen.
„Er ist also definitiv in Werners Machenschaften verwickelt“, schloss sie.
Sie schüttelte den Kopf. Der moralische Verfall in der Nachkriegszeit war allgegenwärtig.
„Ein angesehener Notar, der sich mit Schwarzmarktgeschäften und gefälschten Testamenten einlässt. Das ist eine Schande.“
„Was sollen wir jetzt tun?“, fragte ich.
Ich wusste, dass wir nun eine Strategie brauchten. Die Beweise waren da, aber ich brauchte professionelle Hilfe, um sie vor Gericht zu bringen.
„Sie müssen Kriminalinspektor Meier hinzuziehen“, sagte Dr. Richter.
Ihre Stimme war fest. Sie wusste, dass dies der nächste logische Schritt war.
„Ihm alle gesammelten Beweise übergeben. Das Kassenbuch, meine Beobachtungen aus Elises Akte, die Details von Martas Aussage.“
Ich zögerte. Meine Erfahrungen mit der Polizei waren nach meiner Heimkehr nicht die besten gewesen. Ich war ein Niemand, ein Kriegsheimkehrer mit angeblichen Wahnvorstellungen.
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