Ihr Bauch bewegte sich in der Leichenhalle — Dann enthüllte ein altes Kassenbuch die dunkle Wahrheit über ihren Bruder und unser Nachkriegserbe
Einige Tage später wurde ich im Flüchtlingsheim aufgesucht, wo ich notdürftig untergekommen war. Das Heim war eine Ansammlung von Baracken, die notdürftig zusammengeschustert worden waren, voller Menschen, die wie ich alles verloren hatten.
Meine Tage bestanden aus einer quälenden Leere, gefüllt mit Trauer und dem brennenden Gefühl der Ungerechtigkeit. Das ständige Gemurmel und die Gerüche der vielen Menschen machten es schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.
Ich saß auf meiner schmalen Pritsche, als die Tür zu meinem Bereich aufgestoßen wurde. Es war Werner, gefolgt von einem seiner zwielichtigen Bekannten, ein grobschlächtiger Mann mit einem vernarbten Gesicht.
Werners Blick war hart, seine Mundwinkel verzogen sich zu einem dünnen Strich. Er hatte seine Hände in den Manteltaschen vergraben, als wollte er etwas verbergen. Die Anwesenheit des anderen Mannes war eine klare Drohung.
„Du solltest die Sache mit Elise ruhen lassen, Fritz“, sagte Werner, seine Stimme war kühl und berechnend.
Er sprach meinen Namen aus, als wäre er ein Schimpfwort. Mein Herz pochte wütend in meiner Brust.
„Elise und unser Kind“, korrigierte ich ihn scharf.
Werner zuckte mit den Achseln, als wäre es eine Lappalie. Sein Bekannter, ein Berg von einem Mann, lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen und musterte mich. Die Muskeln in meinem Kiefer spannten sich an.
„Du solltest aufhören, dich in Dinge einzumischen, die dich nichts angehen“, fuhr Werner fort.
Er trat einen Schritt näher, sein Blick bohrte sich in meinen. Der Geruch seines teuren Eau de Cologne mischte sich mit dem abgestandenen Geruch des Heims.
„Oder willst du, dass dein Ruf als ‚Kriegsverwirrter‘ dein einziges Gut ist, das dir noch bleibt?“
Ein bitterer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Er spielte auf meine traumatischen Kriegserlebnisse an, auf die Albträume, die mich jede Nacht heimsuchten. Er wusste genau, wo er zustechen musste.
Ich schloss kurz die Augen. Die Bilder der Front, der Schmerz und das Leid, das ich gesehen hatte, flammten vor meinem inneren Auge auf. Werner wollte meine Glaubwürdigkeit zerstören, mich als wahnsinnig abstempeln.
„Du weißt nicht, was ich erlebt habe“, sagte ich leise.
„Ich weiß, dass du nicht mehr der alte Fritz bist“, erwiderte er spöttisch.
Sein Blick verweilte auf meinen zitternden Händen, die ich krampfhaft zu Fäusten ballte. Er wollte mich brechen, mich glauben lassen, dass ich verrückt war. Die Worte waren wie Gift, das sich langsam in meinen Adern ausbreitete.
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