Ihr Bauch bewegte sich in der Leichenhalle — Dann enthüllte ein altes Kassenbuch die dunkle Wahrheit über ihren Bruder und unser Nachkriegserbe
Die Zeit bis zur Anhörung verging wie im Flug, gefüllt mit einer Mischung aus Anspannung und fieberhafter Vorbereitung. Während Werner seine Lügen verbreitete, arbeitete Dr. Richter im Stillen an ihrer eigenen Waffe: einem detaillierten forensischen Bericht.
Ich traf mich regelmäßig mit ihr, und sie berichtete mir von ihren Fortschritten. Ihr Büro war nun gefüllt mit medizinischen Fachbüchern und Notizen, die sich um Elises Fall drehten. Der Geruch von Papier und Wissenschaft lag in der Luft.
„Ich habe alle verfügbaren Daten noch einmal analysiert, Herr Becker“, sagte sie.
Sie schob mir einen Stapel Dokumente über den Tisch, auf denen komplexe Diagramme und medizinische Erklärungen zu sehen waren. Ich verstand nur Bahnhof, aber ich spürte die Akribie dahinter.
„Die Ergebnisse sind eindeutig. Elise starb an einer behandelbaren Komplikation.“
Meine Kehle war wie zugeschnürt. Eine behandelbare Komplikation. Das bedeutete, Elise hätte gerettet werden können.
„Doch die nötige medizinische Versorgung wurde absichtlich unterlassen“, fuhr sie fort.
Ihr Blick war hart, ihre Stimme verriet ihre Empörung. Sie war Ärztin, und diese Unterlassung traf sie zutiefst.
„Die überhöhte Dosis Beruhigungsmittel hat ihren Zustand verschlimmert und die Erkennung der tatsächlichen Ursache verschleiert.“
Sie hatte bewiesen, dass Elises Tod nicht nur ein tragischer Unfall war, sondern das Ergebnis eines kalkulierten Handelns. Werners Manipulation war nun wissenschaftlich belegt.
„Doch ich brauche noch einen weiteren Beweis, Herrn Becker“, sagte Dr. Richter.
Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Ihre Augen strahlten eine kühne Entschlossenheit aus.
„Ich brauche eine Zeugenaussage, die Werners direkte Einmischung im Krankenhaus bestätigt.“
Ich dachte an Elises Akte, an die hastig hinzugefügte Notiz. Jemand im Krankenhaus musste gewusst haben, was Werner getan hatte.
„Ich habe eine ehemalige Kollegin kontaktiert“, fuhr Dr. Richter fort.
Sie sprach leise, als wollte sie vermeiden, dass jemand zuhörte. Ihr Plan war ein riskantes Unterfangen.
„Schwester Klara. Sie war damals im Krankenhaus und hat Elise kurz vor ihrem Tod betreut.“
Mein Herz pochte. Schwester Klara. Sie war der fehlende Link, die Zeugin, die Werners Lügen endgültig entlarven könnte.
„Sie war verängstigt. Sie wusste, dass Werner einflussreich war“, sagte Dr. Richter.
Sie spielte mit einem Bleistift in ihren Händen. Es war klar, dass es eine schwierige Aufgabe sein würde, Schwester Klara zum Reden zu bringen.
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