Ihr Bauch bewegte sich in der Leichenhalle — Dann enthüllte ein altes Kassenbuch die dunkle Wahrheit über ihren Bruder und unser Nachkriegserbe
Von Martas Worten beflügelt, machte ich mich am nächsten Tag auf den Weg zu Elises Haus. Die Tür war immer noch verschlossen, das Vorhängeschloss ein Symbol für Werners Usurpation. Doch ich war entschlossen, einen Weg hineinzufinden.
Ich umrundete das Haus, auf der Suche nach einem ungesicherten Fenster oder einer Hintertür. Der Geruch von feuchtem Herbstlaub mischte sich mit dem kühlen, modrigen Geruch des verlassenen Gebäudes.
Schließlich fand ich ein kleines Kellerfenster, das nur notdürftig verriegelt war. Es war schmal und verrostet, aber ich würde hindurchpassen. Mit einem Stein schlug ich vorsichtig auf den Riegel, bis er nachgab. Das leise Knirschen war das einzige Geräusch in der Stille.
Ich zwängte mich durch die Öffnung, der kalte, feuchte Geruch des Kellers schlug mir entgegen. Staubtuchspinnen woben ihre Netze in den Ecken, und der Boden war mit altem Gerümpel übersät. Es war ein Ort, den ich nicht kannte, ein Teil von Elises Leben, der mir fremd geblieben war.
Mit klopfendem Herzen stieg ich die alte Holztreppe hinauf. Jeder Knarren der Stufen schien die Stille zu durchbrechen. Ich war ein Eindringling in meinem eigenen Haus, ein Geächteter.
Ich betrat Elises ehemaliges Arbeitszimmer, einen Raum, der einst so voller Leben und Ordnung gewesen war. Nun war er leer, eilig ausgeräumt und versiegelt, wie Marta es beschrieben hatte. Die Wände trugen noch die Schatten von Büchern und persönlichen Gegenständen, die Werner entfernt hatte.
Ich ging langsam durch den Raum, meine Hände strichen über die leeren Regale. Der Staub knirschte unter meinen Füßen. Jede Bewegung schien die Abwesenheit von Elise zu betonen.
Wo war all ihre Korrespondenz? Wo waren ihre Aufzeichnungen, ihre kleinen Erinnerungsstücke? Werner hatte alles systematisch entfernt. Er wollte keine Spuren hinterlassen.
Ich suchte unter dem Teppich, hinter den losen Tapeten, in den Schubladen der alten Kommode. Nichts. Nur Staub und die leere Hülle eines Lebens.
Die Frustration stieg in mir auf, heiß und bitter. Werner hatte gründliche Arbeit geleistet. Er hatte Elises Vergangenheit ausgelöscht, als wäre sie nie existiert. Es war eine weitere Form der Grausamkeit, ein Verrat an ihrer Erinnerung.
Das Gefühl der Verzweiflung übermannte mich. Ich war von der Gegenwart abgeschnitten, von meinem eigenen Haus, von meinem Leben mit Elise. Und die Vergangenheit, die ich so verzweifelt suchte, schien sich mir zu entziehen.
Ich kniete auf dem Boden, meine Hände tasteten über die Dielen. Die Suche war vergeblich. Ich fand nichts von Wert, keine Hinweise, die mich dem Kassenbuch näherbringen könnten.
Der Gedanke, dass ich scheitern könnte, dass Werner ungestraft davonkommen würde, war unerträglich. Ich hatte Elise versprochen, die Wahrheit zu finden, doch die Wahrheit schien sich hinter einem undurchdringlichen Schleier zu verbergen.
Ich sah das alte Tintenfass auf dem Schreibtisch, ein kleines Porzellanobjekt, das Elise von ihrer Mutter geerbt hatte. Es war das einzige, was Werner übersehen hatte. Ich nahm es in die Hand, spürte das kalte Porzellan.
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