Ihr Bauch bewegte sich in der Leichenhalle — Dann enthüllte ein altes Kassenbuch die dunkle Wahrheit über ihren Bruder und unser Nachkriegserbe
Am nächsten Morgen suchte ich Dr. Richter in ihrem Büro auf. Ihre Reaktion auf die Informationen über Werners Drohungen und das verschwundene Kassenbuch war genau das, was ich erwartet hatte: eine Mischung aus Sorge und einer stillen Entschlossenheit.
Sie saß an ihrem Schreibtisch, die Hände vor sich gefaltet. Ihr Blick war nachdenklich, als ich ihr von Werners Besuch und Martas Erzählungen berichtete. Der Geruch von Desinfektionsmittel und alten Akten füllte den Raum.
„Die medizinischen Befunde von Elises Tod weisen definitiv Ungereimtheiten auf, Herr Becker“, sagte sie, ihre Stimme war ruhig, aber bestimmt.
Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Ein leichtes Knarren erfüllte die Stille.
„Ich kann diese nicht ignorieren. Mein ärztliches Ethos verbietet es mir.“
Ich spürte eine Welle der Erleichterung. Dr. Richter war nicht nur eine professionelle Pathologin, sondern auch eine Frau mit Prinzipien. In einer Welt, in der Moral oft ein Luxus war, war sie ein seltener Lichtblick.
„Das Beruhigungsmittel war in der Tat viel zu hoch dosiert für ihren Zustand“, fuhr sie fort.
Sie schob eine Notizblock über den Tisch, auf dem einige ihrer eigenen Beobachtungen und Fragen notiert waren. Ihre Handschrift war akkurat und präzise.
„Und die ‚unerwartete Komplikation‘ ist in der Akte nicht genauer spezifiziert. Das ist ungewöhnlich, ja, verdächtig.“
Sie sah mich direkt an, ihre Augen waren wachsam. Ich spürte, dass sie meine Zweifel teilte, dass sie die Wahrheit genauso wollte wie ich.
„Ich werde Sie heimlich unterstützen, Herr Becker“, sagte sie leise.
„Ich werde meinen Bericht vorbereiten, aber ich brauche mehr als nur Vermutungen. Ich brauche Beweise, die Werners Einfluss eindeutig belegen.“
Ihre heimliche Unterstützung war ein riesiges Geschenk. Sie riskierte ihre eigene Karriere für die Gerechtigkeit, für Elise. Das war eine Geste, die ich niemals vergessen würde.
„Die formellen Wege sind blockiert, das wissen Sie“, fuhr sie fort.
Sie spielte mit einem Bleistift zwischen ihren Fingern. Die Situation war kompliziert, verstrickt in Bürokratie und Werners Einfluss.
„Werner hat überall seine Hände im Spiel. Mit Notar Gruber, wahrscheinlich auch im Krankenhaus selbst.“
Ich nickte. Das hatte ich befürchtet. Werner war nicht nur gierig, sondern auch ein geschickter Manipulator. Er hatte sich ein Netzwerk aus Komplizen geschaffen.
„Sie müssen weiterhin im persönlichen Umfeld von Elise suchen“, riet sie mir.
Ihr Blick war eindringlich. Sie vertraute auf meine Fähigkeit, die Wahrheit zu finden.
„Ihre Freundin Marta war ein guter Anfang. Gibt es noch andere, die Elise nahestanden, die etwas wissen könnten?“
Ich dachte an Elises alte Nachbarin, Frau Huber, die Elise seit ihrer Kindheit gekannt hatte. Oder an den Gärtner, der sich um Elises geliebten Rosengarten gekümmert hatte. Es gab noch ungenutzte Quellen.
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